Jetzt bin ich schon fuenf Wochen hier in Ghana und nicht ein Tag vergeht, an dem ich nicht mindestens einmal ins Staunen
gerate. Leider kann ich, bzw. koennen wir, hier immer nur die grossen Dinge beschreiben und die kleinen und unscheinbaren Dinge werden uebergangen. Dabei sind es meistens diese, die das Besondere
hier ausmachen. Gerade eben war ich Wasser kaufen, "pure water", oder wie die Verkaefer es hier rufen "iiiicccceeeddpuuuuueeea-wataaaa", 500 ml Wasser in einem Plastikbaeutel. Also habe ich dem
Maedel gesagt, ich haette gerne fuenf Beutel. Gerade hatte ich das gesagt, verschwand sie von ihrem Stand und sagte, sie besorgt mir welches. Komisch dachte ich, denn an dem Stand gab es doch
eine Pure Water Box. Also fragte ich mich, ob sie es hier an dem Stand vielleicht doch nicht verkauft. Aber egal, das wirklich verblueffende ist eigentlich, dass selbst wenn das Maedel kein
Wasser an ihrem Stand verkaufen wuerde - letztendlich hatte sie gerade einfach kein kaltes Wasser mehr- waere sie losgegangen und haette mir welches besorgt. Genauso wie wir heute im Hotel
gefragt haben, ob es einen Waschservice gibt. Nein, gibt es nicht, aber sie wuerden es trotzdem fuer uns tun. Die Leute sind hier einfach unglaublich hilfsbereit und freundlich. Naja, letztlich,
waehrend ich auf das Wasser gewartet habe, spuerte ich auf einmal ein ziehen an meinem Arm. Es war ein kleiner Junge der einfach mal einen weissen Mann anfassen wollte. Also habe ich ihm meine
Hand hingestreckt. Er hat sich richtig gefreut und so haben wir die ganze Wartezeit haendchenhaltend nebeneinandergestanden. Der Junge hat sich richtig darueber gefreut. In solche SItuationen
geraet man hier staendig. Als wir heute ueber den Markt gelaufen, naja, besser durch die Menschenmassen geschoben haben, vorbei an allen erdenklichen Gegenstaenden, Lebensmitteln und Geruechen,
packt mich auf einmal eine Frau an den Arm, schreit "Obruni", was so viel heisst wie "weisser Mann" und haelt mir einen Minirock fuer kleine Maedchen hin, begleitet von einem "You buy!". Ich frag
sie zurueck, ob sie denn wirklich glaubt, dass ich darein passe und sie faengt schallend an zu lachen.
Solche Geschichten, ueber Freundlichkeit, Herzlichkeit und Neugier, aber auch Angst und Ablehnung, koennte ich zu Hauf erzaehlen. Leider werden sie nur wirklich verstaendlich, wenn man die Dinge
tatsaechlich selbst erlebt.
Vor zwei Wochen war ich mit einem Kumpel hier Jagen. Richtig auf traditionelle Weise, nicht mit Gewehren oder aehnlichen Waffen, sondern jeder war mit einem oder mehreren Stoeckern bewaffnet.
Morgens frueh sollte es los gehen, mit mehreren 100 Mann in den Busch. Als ich um 7 Uhr morgens bei ihm ankam hatten wir noch etwas Zeit und wir warteten mit einigen anderen Jaegern vor dem Haus.
Wie wir dort so sassen kam ein kleiner Junge daher. Einer der Jaeger rief ihm zu er solle mal herkommen. Als er das hoerte rannte er los, blieb aber aprubt stehen, als er mich sah. Wie
versteinert machte er keinen Schritt mehr vorwaerts. Also ging der Mann, der ihn gerufen hatte, zu ihm hin, nahm ihn auf den Arm und trug ihn zu uns rueber. Er stand dann
vielleicht zwei Meter von mir entfernt sah, mich an und fing fuerchterlich an zu weinen. Alle fingen an zu lachen und sagte zu dem Jungen, dass er zu recht Angst haette vor dem weissen
Mann und wenn er mir zu nahe kaeme wuerde ich ihn fangen und aufressen. Ich glaube er wird sich niemals mehr in seinem Leben an weisse Menschen herantrauen.
Das Jagen insgesamt war eine anstrengende und wirklich schoene Erfahrung. Waehrend ich zwar zwei mal versucht habe ein Tier mit dem Stock zu treffen, habe ich doch jaemmerlich versagt. Dennoch,
und das mag man kaum glauben, haben einige von den Jaegern richtig grosse Tiere erlegt. Einer hat sogar eine Antilope getoetet. Zum Abschluss der Jagd habe ich meine eigene Waffe geschenkt
bekommen und nenne mich jetzt Jaeger. Ich bin mir sicher, beim naechsten Besuch in Ghana werde ich wieder Jagen gehen und dann, und das verspreche ich, werde ich einen Braten nach Hause
bringen.
Kurz nach dieser Erfahrung sind Maggi und ich einen Tagesausflug nach Kintampo gemacht. aufmerksame Leser dieses Blogs werden diesen Namen kennen, denn Maggi war schonmal dort. In Kintampo befindet sich ein wirklich schoener kleiner Regenwald, der zwar zur Zeit etwas weniger Wald ist, auf Grund von Trockenheit, aber nicht minder schoen. In Mitten dieses Waldes befindet sich ein wirklich schoener Wasserfall. An diesem haben wir beide einen schoenen Tag verbracht, haben im Wasser gebadet und es uns gut gehen lassen. Dieser Trip war eine wirklich notwendige Abkuehlung, denn mittlerweile brennt die Sonne im Norden Ghanas. Die Tagestemperaturen liegen ueber 40 Grad. Gut das es iced pure water ueberall zu kaufen.
Jetzt sind Maggi und ich gerade am Reisen. Die letzten Tage haben wir in Kumasi und Umgebung verbracht. Leider wird es wohl in den naechsten Wochen nicht mehr so einfach fuer uns ins Internet zu gehen. Deshalb seid alle nicht boese und traurig, wenn ihr nichts mehr zu lesen kriegt. Dafuer duerft ihr euch alle auf schoene und spannende Geschichten freuen.
Liebe Gruesse an alle zu Hause
Bis bald,
Maggi und Michael (Abena und Kwaku, unsere Namen in Twi)
Ich bin doch ganz schoen schreibfaul geworden, wahrscheinlich aendert sich das auch nicht in der naechsten Zeit. Aber Mike macht das schon ganz gut. Waehrend er schreibt, lade ich Bilder hoch und
das ist nicht minder anstrengend und frustrierend, wenn die Verbindung abstuerzt. Seid also nicht sauer, wenn ich mich mal halbwegs ausruhe. Immerhin sind es heute sehr viele Fotos. Bis
bald. Maggi

Der Neujahrstrip ist vorbei und wir haben leider wieder !trockenen! Boden unter den
Fuessen. Wie trocken es hier wirklich ist, merke ich erst jetzt, da ich die feuchte Luft in Cape Coast gefuehlt habe. Es war wirklich herrlich am Meer. Wir haben fast eine Woche dort verbracht
und eigentlich nichts anderes gemacht als am Strand zu haengen. Die Stadt an sich ist auch toll. Es hat so viel Charme. Ich kann es am besten als Mischung aus Altstadt Jever, Hooksiel und einer
Kuestenstadt in Italien beschreiben. Einfach suess. Silvester waren wir in einem Strandhotel und haben mit Akrobatikshow, traditioneller Musik und Tanz, Lagerfeuer und Feuerwerk eine geile Party
gehabt.
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