Saturday, 4. october 2008 6 04 /10 /Okt. /2008 18:32

Hallo an alle zu Hause,

endlich komme ich dazu etwas zu schreiben. Aber ich glaube nicht, dass ich das, was ich bisher erlebt und gesehen haben in Worte fassen kann. So anders, schrecklich, freundlich, laut, heiß und viel auf einmal. Angefangen hat das schon im Flugzeug, als mich so viele Ghanaer angesprochen und in ewige Gespräche verwickelt haben. Dabei ist immer interessant wie man heißt, wie es einem geht, wie alt man ist, woher man kommt, was man in Ghana macht, ob man schon mal in Afrika oder Ghana war, ob man verheiratet ist, was man macht oder arbeitet und ob man Geschwister hat. Sobald man einen Fuß auf das Land setzt kommen noch die Fragen dazu, wie einem Ghana und die Stadt gefällt. Und das ist alles nur Smalltalk. Wenn man dann dem Anderen auch ein paar Fragen stellt, kann so ein kurzes Gespräch gerne mal 10 Minuten dauern. Ich kann gar nicht mehr ausrechnen wie oft ich mit wildfremden Menschen so ein Gespräch geführt habe. Ständig werde ich von Leuten auf der Straße angesprochen, die alle nur reden wollen und sehr interessiert sind. Leider kommt es auch oft vor, dass nach einer Adresse in Deutschland gefragt wird und wenn man die nicht hergibt, dann bitte wenigstens die Telefonnummer. Aber es ist ok wenn man sagt, das man das nicht möchte. Selbst mein Taxifahrer, der gesagt hat, dass er wirklich nach Deutschland möchte, hat irgendwann aufgegeben und gesagt, wie seien jetzt Freunde.

Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, hat mich die schwül heiße Luft erstmal erschlagen und trotzdem hatten viele Leute lange Hosen an. Alice hat schon auf mich gewartet. Auf dem Weg zum Auto habe ich von allen Seiten nur unendlich oft „Akwaaba“ und „Welcome to Ghana“ gehört und das immer mit einem Freudestrahlen, als hätte ich die Leute seit langer Zeit das erste mal wiedergesehen. Echt abgefahren. Die Autofahrt aber auch. Über nichtasphaltierte Wege wird genauso gebrettert wie sonst. Riesengroße Schlaglöcher werden geschickt umfahren. Ziegen, Hühner und andere Tiere wissen wohl, dass schnelle Autos nicht so schnell anhalten. Ampeln gibt es nicht allzu viele. Grundsätzlich herrscht Rechtsverkehr, aber an Kreuzungen ohne Ampel kann sich das mal ändern. Es wird gefahren, wie es am schnellsten ist.

Im Hotel, nach allen Begrüßungen, die ich absolviert habe, musste ich alles erstmal verdauen. Das, was ich bis dahin gesehen habe hat mich total umgehauen. Wirklich überall liegt so viel Müll herum, das kann man sich gar nicht vorstellen. Die Leute schmeißen alles Plastik auf die Straße. Dann die heruntergekommenen Straßen, die Armut, die fremden Gerüche (fettig, fischig, süß, fleischig, rauchig, und anderes was ich nicht einordnen kann)... Das hat mich alles fertig gemacht und da habe ich mich wirklich gefragt, ob ich das aushalte. Das Hotel war nach meiner jetzigen Erfahrung Luxus und ich sehne mich noch danach. Ich konnte duschen, zwar kalt (obwohl auf der Reklametafel stand „warm & cold water“ und ich nur am zweiten Tag für 1 Minute warmes Wasser hatte) aber immerhin eine richtige Dusche und Toilette. Mein Zimmerfenster ging direkt zu der Einfahrt raus und ich konnte den Nachtwächter immer singen hören. Das war sehr beruhigend. Er war übrigens unglaublich nett und sagte, dass ihm in seiner 12 Stunden Schicht so langweilig ist, das er mit dem Radio redet.

Am nächsten Tag wurde ich abgeholt um in Accra ein paar Dinge zu erledigen und mir die Gegend anzuschauen. Dabei waren dann übrigens neben mir und meinem Tagesführer auch noch zwei andere Volunteers mit deren Tagesführer. Mit Auto, Bus, Trotro und ShareTaxi(gleicher Preis für alle, fährt bestimmte Route, steig aus wo du willst) sind wir dann irgendwie am Coco Beach im Osten Accras angekommen um mal was zu trinken. Der Strand war genial. Das Trotro-Prinzip ist übrigens auch genial. In den Minibus passen neben Fahrer und dem Typen, der die Passagiere reinholt, ca. 12 Leute. Er wedelt dann irgendwie mit der Hand, je nachdem, ob der Bus im Kreis oder geradeaus fährt und ruft und ruft und ruft und ruft aus dem Auto raus bis Leute irgendwo auf der Straße mitfahren wollen. Irgendwann sammelt er das Geld ein und wenn man irgendwo raus will, kann man raus. Sobald dann wieder ein Platz frei ist, fängt er wieder an zu rufen. Das Ganze hat einen Festpreis, egal wohin man will. Davon gibt es immens viele in Accra. Man müsste keine Minute warten bis man eins findet indem Platz ist. Und wenn man keins braucht und zufällig in die Richtung guckt wird gerufen und gerufen und gerufen bis man ablehnt. So etwas bräuchten wir.

Die Hitze an dem Tag war halbwegs erträglich, aber lange konnte man nicht in der Sonne laufen. Trotzdem und trotz dessen, dass ein muslimischer Feiertag war, war die Stadt voller Marktleute, die überall, alles, irgendwie verkaufen. Es gibt im Zentrum zwar auch genügend kleine Läden in Gebäuden, aber hauptsächlich wird an der Straße verkauft. In Holzhütten, an Ständen oder auf dem Kopf. Die Arbeit muss so unglaublich anstrengend sein bei der Hitze, dem Temperament, den Gewichten so lange Zeit. Die Leute arbeiten sich halb kaputt. Trotzdem ist ein Smalltalk beim Einkaufen gerne willkommen. Der Markt dort ist so bunt und teilweise verrückt. Ich hätte euch gerne Fotos gezeigt, aber das Fotografieren ist überhaupt nicht gerne gesehen. Als ich ein Foto gemacht habe, wurde ich schon sehr böse angeguckt. Mein Tagesführer hat mir erklärt, dass die Leute sehr sensibilisiert sind gegen das Bild, das die Welt von Afrika hat. Oft wird gedacht, dass man die Fotos macht, um sie zu Hause in Europa zu zeigen, oder ins Internet zu stellen, um nur die Armut zu zeigen und sie auszulachen. Gerade bei der schweren Arbeit die sie haben. Deswegen muss ich hier allgemein mit Fotos aufpassen und werde viel wahrscheinlich nicht zeigen können.

Am besten ist aber, dass auf der Straße verkauft wird. Überall an Ampeln, oder wo die Autos nur annähernd mal Schrittgeschwindigkeit fahren müssen, laufen Leute mit den verschiedensten Sachen auf dem Kopf zwischen den Autos rum. Ich hab sogar Leute gesehen, die Schraubenzieher und Schuhe an fahrende Autos verkauft haben. Sogar Taxifahrer mit Fahrgast brauchen im fahrenden Auto auf einmal etwas. Das ist vollkommen normal. Der riesengroße Vorteil dabei ist, dass man immer irgendwie an Tütenwasser kommt. Man darf aber bloß niemanden angucken, wenn man nichts will, sonst muss man wieder so oft ablehnen.

Wie ihr ja alle wisst, hatte ich dann am naechsten Tag Fieber. Das war echt zum KIotzen. Hab nur im Bett gelegen und geschlafen. Zum Glueck hab ich so viele Medikamente mit. Nachmittags hab ich mich aufgerafft und bin mit dem Taxi zum STC Center gefahren, um mir ein neues Ticket zu kaufen. Dummerweise wusste ich nicht, dass ich nur mit denen dort haette reden muessen damit mein anderes Ticket nicht verfaellt. Ich zahle mich sowieso momentan dumm und daemlich. Ueberall werde ich uebers Ohr gehauen, Staendig wird Trinkgeld verlangt und die Preise werden verdoppelt. Bis ich raus habe wem ich wann, wieviel Geld geben muss wird es bestimmt noch ein wenig dauern.

Donnerstag Abend kam dann Udo aus Hessen. Ihn zu verstehen war fast so schwierig wie die Ghanaer. Er ist am Samstag nach Obomeng weitergefahren. Wir haben den ganzen Abend zusammengesessen und was getrunken. Leider wurde es so spaet, dass ich nur zwei Stunden schlafen konnte, da ich ja noch meine Sachen packen musste. Dafuer war ich am naechsten Tag so kaputt. Trotzdem konnte ich waehrend der 12 stuendigen Fahrt nicht schlafen. Es gab eh viel zu viel zu sehen. Ich sag euch, die Menschen hier sind so nett, das gibt es gar nicht. So viele fremde Leute haben mir schon geholfen. Ich muss nochnicht einmal danach fragen. In Accra hab ich mich zum Beispiel eine Ewigkeit mit dem Koffertraeger von STC unterhalten. Wenn ihr (wer auch immer will) nach Ghana kommt, werde ich ihn anrufen, damit er euch hilft. Alleine kommt man da nicht zurecht.

Jedenfalls bin ich jetzt bei meiner Gast familie und bin echt begeistert. Das sind sehr sehr liebe Menschen. Ich glaube es gibt 2 Toechter, 5 Soehne, Opa, Oma mit Tochter und die Eltern. Das Haqus hat in der Mitte einen Hof zu dem alle Haustueren rausgehen. Es ist naemlich so, dass es hinter jeder Tuer meist nur ein Zimmer gibt. Wenn ich also mit jemandem quatschen will, muss ich nur mal die Tuer aufmachen. Irgendetwas gibt es naemlich immer im Hof zu tun. Gestern abend haben die mich zu denen ins Haus geholt. Ich sollte erstmal erklaeren, was das alles fuer Sachen sind, die ich mitgrebracht habe. Wir haben uns dabei fast nur kaputtgelacht. Versucht mal zuerklaeren, wofuer eine Anti-aging- Feuchtigkeitsmaske mit anti-muedigkeitseffekt fue Maenner ist. Am tollsten waren aber die Gesichter, als ich ihnen gezeigt habe, wie mach Seifenblasen macht.  Vorallem wie die Kinder geguckt haben.

Heute war ich uebrigens auch schon im Waisenhaus. Das Problem ist jetzt aber, dass die gerade keine Neuen dort haben wollen und ich ab Montag im Day Care Center arbeiten soll. So ne Mischung aus Kindergarten und Vorschule. Das gehoert auch zum Heim. Tja, ich bin gespannt. Ich versuche mein Bestes, hab aber bisher keine guten Sachen darueber gehoert. Eine Freiwillige hat es dort gerade mal 2 Stunden ausgehalten. Die Kinder wissen dass wir sie nicht schlagen und machen was sie wollen. Ich hoffe ich kann da noch was drehen. Schliesslich hat das Maedel es auch irgendwie geschafft. Die Organisation des Ganzen ist nicht so der Knaller, dass es noch nichtmal auffallen wuerdem wuerde ich woanders hingehen :) Oder aber, Andreas, du schickst mir ein paar Lehrplaene fuer die Grundschule, damit ich nur annaehernd etwas hinbekomme. Mal sehen wie das wird.

So, ich glaube, ich bekomm wieder Fieber. Muss mich ins Bett legen und schlafen. Hab das ganze Wochenende zum erholen, dann sehen wir weiter. Ich fahr jetzt heim. Hab mir heute uebrigens vorhin ein Fahrrad gekauft. Fuer 60 Cedi, halbwegs verkehrssicher.  Bin uebrigens auch nicht alleine unterwegs. Isabell ist auch da. Sie zeigt mir hiert alles und boxt uns durch. Das ist echt gut, dass man hier nicht alleine ist. Die Abende koennen langweilig werden. Habe gestern schon die InterAct-Bibliothek bei ihr gesehen.

 

Danke, dass ihr alle so viel und fleissig schreibt. Das finde ich echt toll. Leider fehlt mir die Zeit, um allen zu antworten. Ich hoffe das hier reicht erstmal. Danke. Danke.

Liebe Gruesse,
Maggi

 

 Meine neue Telefonnummer: 0276204803, falls das nicht klappt,

                                                      0240829246.  Die Vorwahl nach Ghana weiss ich aber gerade nicht.  Muesst ihr

                                                      suchen.

 


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Monday, 22. september 2008 1 22 /09 /Sept. /2008 14:01


Hallo zusammen,
endlich ist es soweit, ich packe meine Koffer und verzieh mich Montag für 6 Monate nach Ghana. Während euch bei -10 Grad (ohne Schnee versteht sich) alle Gliedmaßen wegfrieren, werde ich in der Sonne liegen und meinen Taint auffrischen. Naja, das eigentlich nebenbei. Hauptsächlich werde ich in den nächsten fünf Monaten in einem Waisenhaus im Norden Ghanas, in Tamale, arbeiten. Anfang Oktober soll die Arbeit dort beginnen und ich bin echt gespannt was mich dort erwarten wird. Soweit ich weiß leben dort zur Zeit ca. 30 Kinder zwischen wenigen Wochen und 14 Jahren. Mehr kann ich aber momentan nicht sagen. Bei welcher Gastfamilie ich wohnen werde,  ob ich über fließend Wasser verfüge, das Essen vertrage oder mich richtig verständigen kann, wird sich wohl erst bald herrausstellen. Mich erwarten in nächster Zeit wahrscheinlich sehr viele kleine und große Überraschungen und ich würde mich freuen, wenn ihr dabei wärt.
Ich werde versuchen so oft wie möglich diesen Blog zu aktualisieren und euch mit vielen Fotos und Videos auf dem Laufenden zu halten.
Danke an alle, die mich dabei so sehr unterstützt haben.
Bis bald, Maggi

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  • Magdalena Szadkowski
  • leben-in-ghana
  • Weiblich
  • 11.01.1983

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