Tuesday, 4. november 2008 2 04 /11 /Nov. /2008 22:15
Hi zusammen,
endlich meld ich mich mal wieder. Zwei Versuche sind schon gescheitert, weil der Server im Internetcafe gesponnen hat oder der Stromausfall mein Geschriebenes wieder gelöscht hat. Es ist viel passiert, aber um ehrlich zu sein ist das für mich alles schon Alltag, dass ich gar nicht weiß was ich schreiben soll. Es sind immer noch alle so nett zu mir wie am Anfang und so langsam entstehen da Freundschaften, von denen ich weiß, dass ich sie sehr vermissen werde. Ich fühle mich hier im Haus überhaupt nicht mehr fremd. Alles wird mit mir geteilt, überall und immer wird mir geholfen, sehr oft sitzen wir einfach nur so zusammen rum und mittlerweile machen sie sich einen Spaß daraus mich Sister Maggi zu nennen. Wenn ich meine Wäsche wasche werde ich ausgelacht, weil ich bei dieser Hitze 2 Stunden brauche für das, was sie in 30 Minuten schaffen würden. Aber so langsam ändert sich das Wetter. Anfangs hat es spätestens jeden zweiten Tag geregnet. Jedes mal war ich dann draußen um mich abzukühlen. Das Ergebnis war eine ordentliche Erkältung und Bronchitis. Das ist aber vorbei. Der Regen aber auch. Seit fast zwei Wochen hat es nicht mehr geregnet und die Straßen trocknen aus. So langsam wird es staubig hier. Die ersten Tage hab ich die Hitze kaum ausgehalten, aber so langsam kommt der Harmatan und der Wind kühlt wenigstens ein bisschen. In den nächsten Wochen soll es kühler werden, bis ca. im Februar die heißeste Zeit hier beginnt. Ich bin ja mal gespannt ob die 33° C in der Nacht übertroffen werden. Jedenfalls ist der Januar der „kühlste“ Monat. Das passt mir ganz gut, denn ich habe voll Lust auf eine selbst gemachte Hühnersuppe. Alina hat erlaubt bekommen zwei Küken zu halten, weil sie die so toll findet. Das Problem war nur, dass sie keine großen Hühner mag und ihre Familie keine Tiere halten will. Wenn man 1 und 1 zusammenzählt weiß man ja wohl wem sie die Hühner dann gibt, wenn sie groß sind.....Hoffentlich ist dann auch schon was an denen dran. Tote und gerupfte gibt es nämlich nirgendwo zu kaufen. Am Wochenende waren wir übrigens in Paga. Von Samstag auf Sonntag. Das ist die Grenzstadt zu Burkina Faso in der die heiligen Krokodile leben. Die Fahrt dort hin war sehr abenteuerlich, weil die kleinen Busse und fast alle Autos auseinander fallen. Das was bei uns auf dem Schrottplatz steht wird hier gefahren, ungelogen. Die Türen sind nicht dicht, die Sitze fallen auseinander, Innenverkleidung gibt es nicht mehr so viel und manchmal muss man mit anschieben. Wir waren froh heil angekommen zu sein. Unser Taxifahrer hat uns dann den ganzen Tag begleitet und ein riesen Geschäft gemacht. Dafür mussten wir nicht immer nach einem Taxi suchen. Die Krokodile sind übrigens sehr unheimlich, auch wenn sie nicht groß sind. Demnächst versuche ich ein Video reinzustellen. Dann könnt ihr selbst mal sehen was für ein Feigling ich war. Aber immerhin hab ich den Schwanz des Krokos gestreichelt. Beim Gemeinschaftsbild, das der Wärter von uns gemacht hat, hat sich das Krokodil auf einmal angefangen um zudrehen. Immer schneller. Wir sind alle aufgesprungen und obwohl uns zugerufen wurde wir sollen nicht rennen, hab ich die Beine in die Hand genommen und war so schnell wie nie zuvor. Peinlich. Danach sind wir das Pikworo Sklavencamp gefahren und haben ne interessante Tour gemacht. In der Nacht haben wir das gesamte Hotel aufgemischt, weil vor unserer Tür und im gesamten Flur verdammt viele ekeleregende Tiere rumgekrochen sind und wir deswegen nicht zur Toilette konnten. Auch peinlich. Wahrscheinlich denken die jetzt, dass die Europäer alle bescheuert sind. Und am nächsten Tag sind wir noch ein wenig in Bolgatanga herumspaziert. Nächsten Samstag gehen wir mit sehr vielen Leuten in einen Club und bald darauf wollen wir in den Mole-Nationalpark. So, das fürs erste. Es ist schon spät und ich muss aufhören. Andere interessante Sachen erfahrt ihr über den Newsletter, den ich gleichzeitig verschicke. Ich meld mich bald wieder.
Machts gut, Maggi

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Thursday, 16. october 2008 4 16 /10 /Okt. /2008 18:39
Hallo dort drueben,

hier laueft alles wie gewohnt. Mitlerwile kann ich das auch sagen, denn ich habe mich jetzt an fast alles gewoehnt. Aber nichts grossartiges passiert. Highlight war, dass ich am Dienstag Waesche gewaschen habe. Dummerweise hab ich so lange damit gewartet, bis ich fast nichts mehr zum anziehen hatte und der Waescheberg riesig war. Diesen Fehler mach ich nicht noch einmal, denn ich habe 2 Stunden lang gewaschen. Dann haette es auch noch fast angefangen zu regnen. Das was bei euch passiert klingt aber auch nicht viel spannender.
Bis gerade eben war ich auf dem Markt und hab mich von allen moeglichen Geruechen und Farben berieseln lassen. Mitlerweile kann ich den Gestank hier ertragen. Er faellt mir einfach nicht mehr auf. Vielleicht hat es in Accra aber einfach nur mehr gestunken. Selbst an den Muell hier kann man sich fast gewoehnen. Es ist mir heute erst wieder bewusst geworden wie dreckig es ist, als mein Fuss mit einer nassen Tuete gekaempft hat.
Jedenfalls hab ich heute auf dem Markt Bleistifte, Buntstifte und Anspitzer fuer ein Maedchen aus unserem Haus gekauft und fast gar nichts bezahlt. 1 Cedi dafuer (70Cent) und so viele Leute koennen sich das nicht leisten. Auf der anderen Seite ist Obst und Gemuese teilweise genauso teuer wie zu Hause. Fuer eine kleine Wassermelone haetten wir 4 Cedi bezahlen sollen. Und eine Kopie kostet 5 Pesewas (3 Cent). Das sind noch nichtmal Preise fuer Weisse, weil ich zu Hause immer nachfrage ob ich uebers Ohr gehauen wurde. Die Relationen stimmen hier oft einfach nicht. Traurig aber wahr.
Uebrigens war das nicht diese Eidechse auf dem Foto, die ich in meinem Zimmer hatte. Die die bei mir war, war wirklich schlangenartig. Ehrlich, voll das Untier. Ich frag noch mal genauer nach, was das war.

Bis die Tage.
Maggi

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Tuesday, 14. october 2008 2 14 /10 /Okt. /2008 16:09

...das Fieberthermometer und ich haben uns getrennt. Zum Glück. Es war nicht mehr auszuhalten. Jeden Tag bei dieser Hitze Fieber zu haben ist unerträglich. Zwar hab ich am Mittwoch im Krankenhaus genügend Medikamente bekommen, trotzdem hatte ich am Donnerstag und Freitag  41º C. Samstag Morgen habe ich meine letzten Kräfte zusammengerafft und habe es nochmal ins Krankenhaus geschafft. Bis da etwas passiert ist hat es nochmal drei Stunden gedauert. Auf einmal war nämlich der Arzt weg. Wann der wiederkommt wusste keiner. Nach 1,5 Stunden kam er dann ganz gemütlich reinspaziert. So ist das halt hier. Jedenfalls durfte ich mich dann endlich ins Bett legen und ausruhen und bekam dann noch drei Spritzen und zwei Infusionen, die den Teufel vertrieben haben. Abends wurde ich sogar noch von dem Krankenpfleger, der gerade Dienstschluss hatte, auf seinem Motorrad nach Hause gebracht. In dieser Nacht habe ich geschlafen wie ein Gott. Am Sonntag hatte ich auch fast ständig das Thermometer im Mund, weil ich einfach nicht fassen konnte, dass da nichts mehr ist. Ich habe mich die Tage danach noch schlapp gefühlt,aber der Alptraum ist jetzt vorbei.

Sonntag Morgen habe ich dann mit Entsetzen feststellen müssen, dass ich ein Loch im Fliegengitter habe(zum Glück hab ich Panzerband). Leider kroch da aber schon so eine schlangenartige Echse am Fenster rum. Zum zweiten mal!Mumin, mein lieber Gastbruder, hat dem Vieh erstmal aus Versehen den Schwanz abgehauen, der nicht mehr aufhören wollte sich zu winden, und hat es dann endgültig verjagt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich auch beim erstem Mal Hilfe holen musste. Wäre es eine normale Eidechse gewesen, von denen es hier unglaublich viele gibt, hätte ich es ja vielleicht noch versucht, aber das Ding sah einer Schlage viel zu ähnlich. Es soll ein gammalizard sein. Vielleicht kann mir ja mal einer sagen was das ist.

Am Abend hab ich mir dann meinen heißersehnten Salat gemacht. Ich habe eine Ewigkeit Gemüse geschnitten. Es war auch verdammt viel. Während ich da so saß, kamen immer mehr Leute dazu, die mir total interessiert auf die Finger geschaut haben. Als ich dann ein bisschen frische Gurke in die Runde gereicht habe wurde ich nur fragend angeguckt. „Soll man das roh essen??“ Meine Schwester hat zwar probiert, war aber nicht so begeistert. Ich hatte schon Bedenken, dass keiner meinen Salat mögen wird, weil nunmal alles roh ist. Aber der Essig, übrigens die einzige Flasche auf dem kompletten Markt, hat die Sache abgerundet. Keiner hat hier vorher frischen Salat gegessen, aber alle fanden ihn toll und einige haben sich sogar nachgeholt. Von der riesigen Schüssel blieb nur noch eine Portion für mich übrig und ich musste zum Schluss doch noch Kekse essen, um satt zu werden. Wir saßen später noch ein wenig länger im Hof. Das ist so interessant hier. Wie die Generationen miteinander umgehen. Von Kleinkind bis Oma, alle saßen da und haben mir versucht Dagbani beizubringen. Es war echt schön. Ich wollte am liebsten gar nicht mehr rein gehen. Aber die Tage enden hier im Haus recht früh. Ab sechs ist es stockdunkel und dann gibt es schon essen. Deswegen dürft ihr nicht sauer sein, dass ich nicht so oft schreiben kann. Ich muss bis es dunkel wird nach Hause. Da bleibt nicht so viel Zeit. Bis sechs sind es aber ein paar Stunden, könnte man meinen. Aber bei dieser Hitze muss man nach jedem Schritt den man tut eine Pause machen, sonst geht man ein. Da schafft man nicht viel. Nichtafrikaner schaffen da nicht viel. Alle anderen sind immer beschäftigt. Nachdem ich am Sonntag mein Zimmer gefegt habe, musste ich mich erstmal für 20 Minuten hinlegen. Nass ist man übrigens auch ständig. Mein neuer bester Freund ist jetzt mein Schweißwaschlappen, den ich überall hin mitnehme.

Fast hätte ich es vergessen. Letzte Woche war ich auf der Hochzeit vom Bruder meiner Gastmutter. Ganz spontan meinte sie, wir gehen gleich los und du kommst mit. So was lasse ich mir aber auch nicht zweimal sagen. Es war ein geiles Bild. Mitten auf einem Hof direkt an der Straße feierten bestimmt 80 Leute. Es gab Musik, es wurde verschiedenes gekocht, überall waren Menschen. Ab und zu kam noch ein Bus von der Moschee und noch mehr Menschen kamen dazu. Ich wurde so vielen Menschen vorgestellt, dass ich nicht einmal mehr weiß, wer Braut und Bräutigam waren. Viele hatten traditionelle Gewänder an, an denen man erkennen konnte zu welcher Familie derjenige gehört. Die Stoffe sind echt schön. Da lass ich mir natürlich auch was schneidern :)

Im Haus saßen dann auch noch ganz viele Leute. Wir sind in einen Raum gegangen, der viel kleiner war als mein Zimmer in Bielefeld und da saßen schon alleine 15 Frauen. Aber irgendwie war für uns auch noch Platz. Natürlich waren alle total neugierig. Als geklärt war wer ich bin musste ich erstmal alles nachsagen was mir gesagt wurde und bei jedem Wort auf Dagbani, das aus meinem Mund kam, haben sich alle irre gefreut und gelacht und Aaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhh gemacht. Das war echt lustig. Immer wenn jemand neues in den Raum kam, wurde der natürlich von jedem einzelnen begrüßt. Guten Morgen heißt „Dasiba“ und die Antwort darauf ist „Naa“. Das Naa wird aber so langgezogen, dass es wie gesungen klingt und meistens auch mehrmals gesagt. Und wenn dann fast 20 Leute Naa singen, kann man sich kaum noch halten.

Da der kleine Sohn (3 Monate) meiner Gastmutter krank war, sind wir auch bald wieder gegangen. Ich habe mir von ihr sagen lassen, dass diese Hochzeit 4 Tage dauert. Man geht mal zum Ehemann und mal zu der Frau zum Feiern. Echt abgefahren.

Ich wollte euch ja noch was von meiner Arbeit erzählen. Zwei Tage war ich bisher da, Montag und Donnerstag, den Rest der Woche lag ich flach. Es war echt anstrengend. Ein Kindergerten hier hat mit dem was wir kennen nicht viel zu tun. Es wird die ganze Zeit gelernt. Zuerst beten die Kinder vor der Schule und singen die Nationalhymne, dann geht man rein und fängt an zu lernen. Das ganze fängt ja ganz süß an. Da singen die Kinder alle Zahlen von 1 bis 100, genauso wie das Alphabet, aber das nicht nur einmal, sondern gleich drei oder viermal. Dann hat die Lehrerin das Alphabet an die Tafel geschrieben und die Kinder sollten es auf ihre Tafeln schreiben. Von 9-12 Uhr ohne Pause. Da kann man verstehen, dass die Kinder mal am Rad drehen. Ich wurde selbst schon nervös. Das schwierige an der ganzen Sache ist, dass die Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sind und man niemals allen gerecht werden kann. Die Kleinste kann noch nicht mal richtig reden und turnt nur im Klassenraum herum. Die Älteste könnte das Alphabet schon nach 20 Minuten abschreiben. Aber es müssen alle gemeinsam 3 Stunden lang die gleiche Aufgabe erledigen. Es war verdammt anstrengend. Viele probieren natürlich aus, wie weit sie bei mir gehen können. Das ist auch nicht immer so einfach. Es ist wirklich ein Unterschied hier, ob man jemanden schlägt oder nicht. Bei der Lehrerin geht das ganz einfach. Die holt ihren Stock raus und schon gibt’s einen auf die Rübe. Ich hab letztendlich einen Jungen rausgeschmissen. Es wird wohl einigermaßen gehen, aber mit meiner Arbeit in Deutschland kann ich das nicht vergleichen Die Kinder prügeln sich auch ständig. In der Pause habe ich nur damit zu tun sie auseinander zu bringen. Die zartesten und süßesten Mädchen schlagen auch mal grundlos zu. Wie soll es auch anders sein, wenn man den Kindern zeigt, dass das so richtig ist. Das nennt sich dann aber auch „Korrektur“. Grundsätzlich ist das so hier, dass der Ältere den Jüngeren korrigieren darf, umgekehrt aber nicht. Sowohl unter Kindern, als auch unter Erwachsenen. Was ich davon halten soll weiß ich noch nicht. Ich muss ja nicht danach leben.

Wenn die Kinder sich mal nicht prügeln sind sie natürlich süß, Kinder halt. Sie sind alle sehr neugierig und wollen immer alles anfassen, was einem gehört. Bevor ich mit dem Fahrrad losfahren kann muss ich erstmal die Kinder abschütteln :) Vielleicht liegt das auch daran, dass ich momentan die einzige bin, die dort arbeitet. Jedenfalls dauert das nicht lange bis ich zwei Kinder an der Hand hab und eine weitere große Traube um mich herum. Ich komme teilweise gar nicht vorwärts deswegen. Ja, sie sind schon süß.

Wir sind übrigens auch nicht mehr nur zu zweit von Interact. Vor ein paar Tagen ist noch jemand gekommen und in den kommenden Tagen kommt noch Eine. Mal sehen, vielleicht stecken sie die ja auch ins Day Care Center, dann wird es vielleicht einfacher.

 

Übrigens könnt ihr euch auch für den Newsletter eintragen. Jaja, so wichtig bin ich :) Ich habe mir gedacht, dass es nicht immer angebracht wäre, alles öffentlich zu schreiben. Ein paar Dinge sind vielleicht zu persönlich. Und meine Gastfamilie möchte vielleicht auch nicht, dass ich alles ins Internet stelle. .....Adresse z.B.

 

So, das wars aus Afrika.

Naa wuni ni ti bε γu -Gute Nacht.

 

Maggi


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  • Magdalena Szadkowski
  • leben-in-ghana
  • Weiblich
  • 11.01.1983

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