Tuesday, 14. october 2008
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16:09
...das Fieberthermometer und ich haben uns getrennt. Zum Glück. Es war nicht mehr
auszuhalten. Jeden Tag bei dieser Hitze Fieber zu haben ist unerträglich. Zwar hab ich am Mittwoch im Krankenhaus genügend Medikamente bekommen, trotzdem hatte ich am Donnerstag und
Freitag 41º C. Samstag Morgen habe ich meine letzten Kräfte zusammengerafft und habe es nochmal ins Krankenhaus geschafft. Bis da etwas passiert ist
hat es nochmal drei Stunden gedauert. Auf einmal war nämlich der Arzt weg. Wann der wiederkommt wusste keiner. Nach 1,5 Stunden kam er dann ganz gemütlich reinspaziert. So ist das halt hier.
Jedenfalls durfte ich mich dann endlich ins Bett legen und ausruhen und bekam dann noch drei Spritzen und zwei Infusionen, die den Teufel vertrieben haben. Abends wurde ich sogar noch von dem
Krankenpfleger, der gerade Dienstschluss hatte, auf seinem Motorrad nach Hause gebracht. In dieser Nacht habe ich geschlafen wie ein Gott. Am Sonntag hatte ich auch fast ständig das Thermometer
im Mund, weil ich einfach nicht fassen konnte, dass da nichts mehr ist. Ich habe mich die Tage danach noch schlapp gefühlt,aber der Alptraum ist jetzt vorbei.
Sonntag Morgen habe ich dann mit Entsetzen feststellen müssen, dass ich ein Loch im
Fliegengitter habe(zum Glück hab ich Panzerband). Leider kroch da aber schon so eine schlangenartige Echse am Fenster rum. Zum zweiten mal!Mumin, mein lieber Gastbruder, hat dem Vieh erstmal aus
Versehen den Schwanz abgehauen, der nicht mehr aufhören wollte sich zu winden, und hat es dann endgültig verjagt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich auch beim erstem Mal Hilfe holen
musste. Wäre es eine normale Eidechse gewesen, von denen es hier unglaublich viele gibt, hätte ich es ja vielleicht noch versucht, aber das Ding sah einer Schlage viel zu ähnlich. Es soll ein
gammalizard sein. Vielleicht kann mir ja mal einer sagen was das ist.
Am Abend hab ich mir dann meinen heißersehnten Salat gemacht. Ich habe eine Ewigkeit Gemüse
geschnitten. Es war auch verdammt viel. Während ich da so saß, kamen immer mehr Leute dazu, die mir total interessiert auf die Finger geschaut haben. Als ich dann ein bisschen frische Gurke in
die Runde gereicht habe wurde ich nur fragend angeguckt. „Soll man das roh essen??“ Meine Schwester hat zwar probiert, war aber nicht so begeistert. Ich hatte schon Bedenken, dass keiner meinen
Salat mögen wird, weil nunmal alles roh ist. Aber der Essig, übrigens die einzige Flasche auf dem kompletten Markt, hat die Sache abgerundet. Keiner hat hier vorher frischen Salat gegessen, aber
alle fanden ihn toll und einige haben sich sogar nachgeholt. Von der riesigen Schüssel blieb nur noch eine Portion für mich übrig und ich musste zum Schluss doch noch Kekse essen, um satt zu
werden. Wir saßen später noch ein wenig länger im Hof. Das ist so interessant hier. Wie die Generationen miteinander umgehen. Von Kleinkind bis Oma, alle saßen da und haben mir versucht Dagbani
beizubringen. Es war echt schön. Ich wollte am liebsten gar nicht mehr rein gehen. Aber die Tage enden hier im Haus recht früh. Ab sechs ist es stockdunkel und dann gibt es schon essen. Deswegen
dürft ihr nicht sauer sein, dass ich nicht so oft schreiben kann. Ich muss bis es dunkel wird nach Hause. Da bleibt nicht so viel Zeit. Bis sechs sind es aber ein paar Stunden, könnte man meinen.
Aber bei dieser Hitze muss man nach jedem Schritt den man tut eine Pause machen, sonst geht man ein. Da schafft man nicht viel. Nichtafrikaner schaffen da nicht viel. Alle anderen sind immer
beschäftigt. Nachdem ich am Sonntag mein Zimmer gefegt habe, musste ich mich erstmal für 20 Minuten hinlegen. Nass ist man übrigens auch ständig. Mein neuer bester Freund ist jetzt mein
Schweißwaschlappen, den ich überall hin mitnehme.
Fast hätte ich es vergessen. Letzte Woche war ich auf der Hochzeit vom Bruder meiner
Gastmutter. Ganz spontan meinte sie, wir gehen gleich los und du kommst mit. So was lasse ich mir aber auch nicht zweimal sagen. Es war ein geiles Bild. Mitten auf einem Hof direkt an der Straße
feierten bestimmt 80 Leute. Es gab Musik, es wurde verschiedenes gekocht, überall waren Menschen. Ab und zu kam noch ein Bus von der Moschee und noch mehr Menschen kamen dazu. Ich wurde so vielen
Menschen vorgestellt, dass ich nicht einmal mehr weiß, wer Braut und Bräutigam waren. Viele hatten traditionelle Gewänder an, an denen man erkennen konnte zu welcher Familie derjenige gehört. Die
Stoffe sind echt schön. Da lass ich mir natürlich auch was schneidern :)
Im Haus saßen dann auch noch ganz viele Leute. Wir sind in einen Raum gegangen, der viel
kleiner war als mein Zimmer in Bielefeld und da saßen schon alleine 15 Frauen. Aber irgendwie war für uns auch noch Platz. Natürlich waren alle total neugierig. Als geklärt war wer ich bin musste
ich erstmal alles nachsagen was mir gesagt wurde und bei jedem Wort auf Dagbani, das aus meinem Mund kam, haben sich alle irre gefreut und gelacht und Aaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhh gemacht. Das war
echt lustig. Immer wenn jemand neues in den Raum kam, wurde der natürlich von jedem einzelnen begrüßt. Guten Morgen heißt „Dasiba“ und die Antwort darauf ist „Naa“. Das Naa wird aber so
langgezogen, dass es wie gesungen klingt und meistens auch mehrmals gesagt. Und wenn dann fast 20 Leute Naa singen, kann man sich kaum noch halten.
Da der kleine Sohn (3 Monate) meiner Gastmutter krank war, sind wir auch bald wieder
gegangen. Ich habe mir von ihr sagen lassen, dass diese Hochzeit 4 Tage dauert. Man geht mal zum Ehemann und mal zu der Frau zum Feiern. Echt abgefahren.
Ich wollte euch ja noch was von meiner Arbeit erzählen. Zwei Tage war ich bisher da, Montag
und Donnerstag, den Rest der Woche lag ich flach. Es war echt anstrengend. Ein Kindergerten hier hat mit dem was wir kennen nicht viel zu tun. Es wird die ganze Zeit gelernt. Zuerst beten die
Kinder vor der Schule und singen die Nationalhymne, dann geht man rein und fängt an zu lernen. Das ganze fängt ja ganz süß an. Da singen die Kinder alle Zahlen von 1 bis 100, genauso wie das
Alphabet, aber das nicht nur einmal, sondern gleich drei oder viermal. Dann hat die Lehrerin das Alphabet an die Tafel geschrieben und die Kinder sollten es auf ihre Tafeln schreiben. Von 9-12
Uhr ohne Pause. Da kann man verstehen, dass die Kinder mal am Rad drehen. Ich wurde selbst schon nervös. Das schwierige an der ganzen Sache ist, dass die Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sind und
man niemals allen gerecht werden kann. Die Kleinste kann noch nicht mal richtig reden und turnt nur im Klassenraum herum. Die Älteste könnte das Alphabet schon nach 20 Minuten abschreiben. Aber
es müssen alle gemeinsam 3 Stunden lang die gleiche Aufgabe erledigen. Es war verdammt anstrengend. Viele probieren natürlich aus, wie weit sie bei mir gehen können. Das ist auch nicht immer so
einfach. Es ist wirklich ein Unterschied hier, ob man jemanden schlägt oder nicht. Bei der Lehrerin geht das ganz einfach. Die holt ihren Stock raus und schon gibt’s einen auf die Rübe. Ich hab
letztendlich einen Jungen rausgeschmissen. Es wird wohl einigermaßen gehen, aber mit meiner Arbeit in Deutschland kann ich das nicht vergleichen Die Kinder prügeln sich auch ständig. In der Pause
habe ich nur damit zu tun sie auseinander zu bringen. Die zartesten und süßesten Mädchen schlagen auch mal grundlos zu. Wie soll es auch anders sein, wenn man den Kindern zeigt, dass das so
richtig ist. Das nennt sich dann aber auch „Korrektur“. Grundsätzlich ist das so hier, dass der Ältere den Jüngeren korrigieren darf, umgekehrt aber nicht. Sowohl unter Kindern, als auch unter
Erwachsenen. Was ich davon halten soll weiß ich noch nicht. Ich muss ja nicht danach leben.
Wenn die Kinder sich mal nicht prügeln sind sie natürlich süß, Kinder halt. Sie sind alle
sehr neugierig und wollen immer alles anfassen, was einem gehört. Bevor ich mit dem Fahrrad losfahren kann muss ich erstmal die Kinder abschütteln :) Vielleicht liegt das auch daran, dass ich
momentan die einzige bin, die dort arbeitet. Jedenfalls dauert das nicht lange bis ich zwei Kinder an der Hand hab und eine weitere große Traube um mich herum. Ich komme teilweise gar nicht
vorwärts deswegen. Ja, sie sind schon süß.
Wir sind übrigens auch nicht mehr nur zu zweit von Interact. Vor ein paar Tagen ist noch
jemand gekommen und in den kommenden Tagen kommt noch Eine. Mal sehen, vielleicht stecken sie die ja auch ins Day Care Center, dann wird es vielleicht einfacher.
Übrigens könnt ihr euch auch für den Newsletter eintragen. Jaja, so wichtig bin ich :) Ich
habe mir gedacht, dass es nicht immer angebracht wäre, alles öffentlich zu schreiben. Ein paar Dinge sind vielleicht zu persönlich. Und meine Gastfamilie möchte vielleicht auch nicht, dass ich
alles ins Internet stelle. .....Adresse z.B.
So, das wars aus Afrika.
Naa wuni ni ti bε γu -Gute Nacht.
Maggi
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